
FOTOGRAFIE München `84 (1984, 64 S., Farbe und s/w)
Vorwort zu Fotografie München `84
Zehn Jahre intensiver fotografischer Aktivitäten, in denen die Fotolandschaft bundesweit abgesteckt und in Parzellen wie Dokumentarismus, Visualismus, magischer Realismus u.ä. aufgeteilt wurde, sind an München weitgehend vorübergegangen.
In Städten wie Berlin, Bielefeld, Dortmund, Essen, Kassel und Köln entstand im Umfeld von Hochschulen eine Fotoszene, die durch die Arbeit von Professoren ihr besonderes Profil erhielt. Z. B. um Otto Steinert in Essen, bis zu dessen Tod. Um Floris Neusüss in Kassel, Arno Jansen in Köln oder Michael Schmidt in Berlin. Jede dieser Persönlichkeiten steht für eine bestimmte Auffassung von Fotografie. Lange Zeit blieb die Arbeit von Verena von Gagern für München die Ausnahme. Ihre pädagogische Vermittlung von und ihre Auseinandersetzung mit der Fotografie fand jedoch am Salzburg-College statt, nicht in München.
Außer in der Galerie Lange-lrschl oder in der „Neuen Sammlung“ unter Klaus-Jürgen Sembach erfuhr die zeitgenössische Autorenfotografie in München wenig offizielle Förderung. Weder in der Ausbildungssituation der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie, die ihr Ziel in der Fotografie als Dienstleistung sieht, noch in der Sammlungstätigkeit des Fotomuseums.
In München war Fotografie, als Selbstausdruck betrieben, immer dem Bestreben einzelner überlassen, die aus einer inneren Notwendigkeit fotografieren und individualistischer zu sein scheinen als anderswo. Zugleich begünstigten persönliche Sympathien und eine Art geistiger Verwandtschaft einen gegenseitigen Austausch oft stärker als ein gemeinsames Gruppenziel.
Dadurch blieb die Münchner Fotoszene, soweit man von einer solchen sprechen kann, weitgehend von Dogmatikern verschont. Und nun findet, wo anderorts ein Abflauen von Fotografieaktivitäten zu verfolgen ist, eine Ausstellung über die Arbeit hier lebender Fotoautoren statt. Ein Hoffnungsschimmer?
Dieser Ausstellung im BBK kommt quasi die Rolle einer Sichtung von Arbeiten Münchner und bayrischer Fotografen zu, die in der jüngsten Vergangenheit entstanden sind. Wohlwissend, dass auf Vollständigkeit kein Anspruch erhoben werden kann. Mit einem Blick auf die verschiedenen Ereignisse und Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre in der Fotografieszene in München, ist die Entstehungsgeschichte dieser Ausstellung ein weiterer Beleg dafür, daß die kleinen Schritte persönlichen Engagements bislang mehr Wirkung erzielt haben, als berufsmäßige Pflichterfüllung im Dienst der Fotografie.
Die Initiativen von Klaus Gaffron und Rolf Liese im Rahmen des Berufsverbandes Bildender Künstler sind private Wertschätzungen; die Kellergalerie in der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie geht auf das Betreiben von Dieter Hinrichs zurück; das Danner’sche Fotostipendium in seiner jetzigen Form ist ebenfalls eine private Anregung; die Gesprächsrunde in der Galerie Zango ist dem Idealismus seiner Betreiber zu verdanken.
Vielen kleinen Aktivitäten für die Fotografie blieb vielleicht eine große öffentliche Resonanz verwehrt, förderten aber einen lange Zeit nicht vorhandenen Austausch untereinander und das gegenseitige Kennenlernen in München lebender Fotografen (Innen). Es wäre wünschenswert, würden Kulturpolitiker dieser veränderten Situation Rechnung tragen und auch private Initiativen unterstützen. Ein Blick über die Grenzen nach Salzburg oder Innsbruck würde zeigen und deutlich machen, was relativ geringe Finanzmittel und viel Engagement bewirken können.
Die vergangenen Jahre zeigten, die zeitgenössische Autorenfotografie eignet sich wenig zur Wertespekulation. Im Kunstbetrieb ist Fotografie ein eher zu hegendes Pflänzchen als ein Lorbeer, aus dem man Siegerkränze windet. Ein erster Schritt zu einer offiziellen nicht nur verbalen Anerkennung der Fotografie, war 1984 die Vergabe eines Förderpreises der Stadt München an die Fotografin Regina Schmeken.
Vielleicht ist diese Ausstellung eine weitere Anregung für die Kulturbehörden, sich für die Belange der Fotografie einzusetzen.
Harald Rumpf
Die FotografenInnen
Wolf-Dieter Böttcher, Volker Derlath, Klaus von Gaffron, Anton Grassl, Dorothee Haering, Waggi (Rudolf) Herz, Werner Hiebel, Reinhold L. Hilgering, Siegfried Hose, Wolfgang Hurle, Alois Jurkowitsch, Michael Klute, Lothar Konietzka, Loni Liebeermann, Wolfgang Lürmann, Thomas Meissner, Wilfried Petzi, Norbert Przybilla, Harald Rumpf, Walter Schels, Regina Schmecken, Heinz Spengler, Volker Weiland.