Billard

Die hier versammelten Fotografien sind nicht das Ergebnis eines vorkonzipierten oder skizzierten Projektes, dem sie inhaltlich oder auch ästhetisch folgen würden. Sie sind in einem Zeitraum entstanden, als der Begriff Autorenfotografie erstmals in Gebrauch kam, aber ähnliches meinte, wie der Term „Subjektive Fotografie“, den Otto Steinert in die Welt setzte. Das bedeutete aber nicht, dass damit die konzeptuelle Annäherung allgemein überholt gewesen wäre, im Gegenteil. Für mich spielte sie nur keine große Rolle.

Die hier versammelten Bilder haben ausgeprägt subjektiven Charakter, oder haben autobiographische Bezüge. Sie sind vor allem von der Neugier und der Frage geleitet, wie die Beziehung der Menschen untereinander, zueinander, zu sich oder auch zu ihrer Umgebung sind. Formal gibt es dann allerdings Unterschiede, wenn die Fotos mal in der Flüchtigkeit der Strassenfotografie entstanden sind, in einer sekundenschnellen Wahrnehmung oder einer direkten und bewussten Konfrontation mit der Kamera in den meist quadratischen Formaten.

Die Szene oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppierung fotografisch darzustellen war nicht der Ausgangspunkt, auch wenn ganze Bildstrecken dies vermuten lassen. Es war eher eine unbewusste Suche nach menschlichem Verhalten,. Wie es sich unterscheidet oder wo auch die Gemeinsamkeiten sind.  Vielleicht auch mein Verhältnis zu diesen Szenen, im Ausloten, wo ich mich befinde.

Die Beschränkung auf ein Jahrzehnt gibt diesem Unternehmen erst einmal eine thematische Klammer und spiegelt darüber hinaus eine Stimmung wieder, die nicht mehr dem Aufbrauch und der Unruhe der 60iger und 70iger Jahre gleicht, sondern sich durch eine gewisse Orientierungslosigkeit und einer Stimmung des Abwartens auszeichnete. Aber auch das hat das hat das Lebensgefühl einer ganzen Generation geprägt.
HR im September 2016

Vorwort von Andrian Kreye

Man kann Harald Rumpfs amerikanischen Blick auf das München der Achtzigerjahre natürlich aus der Geschichte der Fotografie heraus erklären. Sein Gespür für Situationen, die mehr als nur eine Geschichte erzählen, wie es die Straßenfotografen der New York School of Photography perfektionierten. Sein Spiel mit dem Licht, das die Bildebenen mit einer Härte unterteilt, die sonst nur der amerikanische Himmel zulässt. Sein Sinn für das Einzigartige in jedem Menschen, wie es Amerikas Porträtisten entwickelten und der Instinkt, scheinbar Banales zum Stillleben zu veredeln. So stellt sich bei einem als gebürtigem Münchner beim ersten Durchblättern auch zunächst ein Geschmeicheltsein ein, weil da einer die Jugend, die man zu der Zeit in dieser Stadt verbrachte, mit dieser Aura umgibt, die das Alltägliche in einen historischen Moment verwandelt, so wie es die Fotografen und Filmemacher aus dem Amerika des 20. Jahrhunderts so meisterhaft verstanden, die Tristesse ihres Landes zum Sehnsuchtsort zu verklären.

Man täte Harald Rumpfs Bildern allerdings Unrecht, wenn man sie auf die Ästhetik reduzierte. Er war ja kein angereister Beobachter, sondern ein Chronist des Privaten und vor allem eines Lebensgefühls. Denn das München der Achtzigerjahre war auch ein Stück Amerika und die Münchner, die jungen zumindest, fühlten sich vielleicht nicht als Amerikaner, aber sie fühlten ein Stück weit amerikanisch. Das hatte historische Wurzeln. Die Amerikaner waren ja da. Hinter den Mauern der McGraw-Kaserne in Giesing vor allem, aber auch in den Clubs und Bars, in den Wohntürmen am Stadtrand und in den Songs, die über den Soldatensender AFN den Musikgeschmack ganzer Generationen prägten. München war „Garisson Town“, Garnisonsstadt. Auf dem Oktoberfest patrouillierten die Militärpolizisten der US Army. Im Kongressaal des Deutschen Museums spielten Soul- und Country-Bands für ein Publikum, für welches das Heimatmusik war. Im Amerikahaus wiederum brachten die Bands den Einheimischen Literatur, Kunst und Jazz bei.

Für uns, für die der Krieg schon Geschichte war, waren die Amerikaner keine Befreier mehr, sie verkörperten Freiheit. Die schwarzen Lederjacken, die sich wie ein Leitmotiv durch Rumpfs Bilder ziehen, waren das Echo einer Welt, in der die Straßen ins Unendliche führten und der Himmel bis ins Universum reichte. Die Radikalität des Punk, die von New York aus über den Umweg London nach München kam, war die Verheißung eines Großstadtabenteuers, das gerade hier so mächtig wirkte, weil sich München in den Achtzigern gerade aus seiner Rolle als Olympia- und Weltstadt verabschiedete, um wieder Provinz zu werden. Und selbst ohne die Insignien des Pop findet man auf Harald Rumpfs Bildern immer wieder diese Sehnsucht in den Gesichtern, die sich an der Maske des COOL versuchten, auch wenn da eine Unsicherheit hinter den Zügen liegt, weil COOL eben immer ein amerikanischer Import blieb.

Denn die Provinz war ja nie vertrieben. Sie lauerte in den Nischen und Ecken, in der Bitterkeit der Alten, die einen Krieg überlebt hatten, den die Jungen nicht verstanden. Sie hatte sich in den grauen Fassaden der Wiederaufbaujahre eingenistet, in denen sich Sachzwang und Selbstgeißelung zu einer Trübsal verbanden, an der man die Schneisen der Bombennächte ablesen konnte. Sie wucherte im Bayerischen, das damals noch nicht für die Lebensfreude und Sonnenhaftigkeit der Isarmetropole stand, sondern für den Sumpf der Vormoderne, der gleich vor den Toren der Stadt begann.

Es sind deswegen auch nicht New York, Chicago und Los Angeles, die in Harald Rumpfs München ihr Echo finden. Es sind Austin, Tupelo und Tulsa, Städte, die es nur auf die Landkarte der Popromantik geschafft haben, weil Filme von Richard Linklater, Songs von Elvis Presley oder Fotos von Larry Clark aus der Ödnis etwas Heldenhaftes schufen. Es ist auch nicht das Licht des Mittelmeers, das Harald Rumpf beschwört, dieses goldene Leuchten, welches das eigentlich so mittelmäßige München im Sommer so verzaubern kann, dass es inzwischen selbst zu einem Fluchtpunkt der Sehnsüchte geworden ist. Seine Bilder bestimmt ein harsches Licht, wie man es in der Prärie findet, in den „Badlands“ oder auch in der Taiga. Aber genau an solchen Orten ist der genialische Blick aufs banale Detail, die kleine Geste, die kaum sichtbare Regung gefordert. Nur so kann die Fotografie aus der Beklemmung der Provinz ausbrechen und Größe entdecken, in der so oft die Hoffnung schlummert, diesen Ort bald zu verlassen.

Es sind Orte, an denen jeder Aufbruch zum Ausbruch wird. Amerika war damals für die jungen Münchner das erklärte Ziel. Aber das war weit weg. Flugtickets kosteten einen Monatslohn und selbst ein Überseegespräch war unerschwinglich. Ähnlich wie die Spaghettiwesternregisseure die Prärie in den südeuropäischen Karstlandschaften fanden, suchte man sich das Urbane in Rom, Wien oder Berlin; die Open Road auf der Bundesautobahn oder der Autostrada. Und wer gar nicht wegkam, der suchte sich sein privates Amerika eben im Viertel.

Als Harald Rumpf die Bilder in diesem Buch fotografierte, kam er nicht weg. Freiwillig. Er kümmerte sich um seine kleine Tochter, zog über Spielplätze, abends vielleicht noch in die Clubs und Lokale. Auch das sieht man seinen Fotos an, diese Trance, die Tage im Bewegungs- und Wahrnehmungsradius eines Kindes zu verbringen, in dieser Mischung aus selbstgewählter Reizaskese, einem andauernden intellektuellen Hungergefühl und der auf- und abwallenden Euphorie des Elternseins. Die aber auch die Freiheit der Planlosigkeit bedeutete. Ohne Auftrag oder Mission richtete er seine Objektive auf eine kleine Welt, in der er große Momente fand.

Das München auf Harald Rumpfs Bildern gibt es längst nicht mehr, genauso wie es das Land, in dem die Stadt damals lag, nicht mehr gibt. Westdeutschland ist aufgelöst. Die Amerikaner sind schon 1992 abgezogen. In ihren Kasernen in Giesing sind heute Ämter der Münchner Polizei untergebracht, Studentenbuden und ein Flüchtlingsheim. Rückblickend waren es goldene Jahre im München der Achtziger. Es waren die letzten Nachbeben des Wirtschaftswunders und des bürgerlichen Aufstieges, die Zielgerade eines relativen Weltfriedens, der zwar auf der Angst vor der nuklearen Apokalypse basierte, aber doch erstaunlich stabil war. In den Clubs und Nächten, die in Harald Rumpfs Bildern auftauchen, tobte ein immer noch unschuldiger Hedonismus, der noch nicht von Aids, synthetischen Drogen und der Prüderie des digitalen Zeitalters gebremst war. Sex hatte immer noch die lässige Selbstverständlichkeit der Siebzigerjahre, die ja noch gar nicht so lange währte. Doch was damals noch großes Abenteuer war, schrumpft auf Rumpfs Bildern zurück ins Provinzielle. Das „P 1“, der „Pop Club“, das „Far Out“ wirken mit einem Mal eng und muffig, man meint, den Dunst aus Schweiß und kaltem Rauch zu riechen, der einen damals durchs Nachtleben begleitete.

Heute ist München eine Traumstadt für viele und Amerika ein kultureller Trauerfall. Lange schon zieht es die Jungen nicht mehr nach New York, LA oder Chicago. Es treibt sie nach Australien und Neuseeland, nach China, Japan und Korea. Der Aufbruch ist auch kein Ausbruch mehr. In den letzten dreißig, vierzig Jahren hat sich München zu einem Sehnsuchtsort entwickelt, an dem die Leute ja gerade deswegen leben wollen, weil er die Harmlosigkeit der Provinz mit den Annehmlichkeiten der Großstadt verbindet, mit U-Bahn, Glasfasernetzen und internationalen Modegeschäften, mit einer Stadt als gewaltiger Freizeitsportanlage samt einem Umland, das bis zum Gardasee reicht und eben jenem Mittelmeerlicht, das jeden Sommertag als Happy End inszeniert. Die Nischen und Abgründe, die Harald Rumpf mit seiner Kamera erforschte, haben die Stadtoberen längst geschliffen.

Es ist deswegen ein wenig langweilig geworden in München, weil die Stadt so reich geworden ist und reiche Menschen von Natur aus langweilig sind. Aber auch das ist ein Grund, warum so viele hier leben wollen. Man hat seine Ruhe und einen Platz an der Sonne, den sich eben nicht jeder leisten kann.

Man muss das weder in die eine noch die andere Richtung romantisieren. Der Muff der Achtzigerjahre war ähnlich beklemmend wie die Seelenlosigkeit der gentrifizierten Stadt. Die Hemmungslosigkeit der goldenen Jahre wirkte aber mindestens so berauschend, wie die Schönheit jener hochtechnisierten Kleinmetropole der Gegenwart, die auf den Lebensqualitätslisten der Kreativwirtschaftler regelmäßig einen der oberen, wenn nicht den obersten Platz einnimmt. Doch gerade weil Harald Rumpfs Bilder mit ihrem amerikanischen Blick diesen Zeitenbruch vom westdeutschen zum europäischen München so deutlich machen, ist „Billard“ mehr als ein Band historischer Fotografien für den Nostalgiemarkt des Retropop. Im Hier und Jetzt und Heute wirken diese Bilder wie eine Expedition der emotionalen Archäologie, die ein Lebensgefühl freilegt, das längst vorbei ist und diese Stadt für die Einheimischen doch für immer geprägt hat.

Billard – Spiel des Lebens von Karin Sagner

In 75 Schwarz-Weiß-Aufnahmen widmet sich der Münchner Fotograf Harald Rumpf den Achtziger Jahren, wobei er von einigen Seitenblicken abgesehen den fotografischen Blick auf die Stadt München richtet.

In Hoch-, Quer- und quadratischen Formaten eröffnet sich in diesen Fotografien ein privater Blick auf den öffentlichen Raum, wird persönliches Erleben des urbanen Lebens präsent und ein Jahrzehnt wieder erinner- bar. Laut repräsentativen Umfragen der Meinungsforschungsinstitute verbindet fast jeder zweite Deutsche rückblickend mit dieser Dekade besonders gute Erinnerungen, Ereignisse werden positiv umgedeutet, das persönliche Erleben, Zeitläufe, Musik, Film und Mode erscheinen in neuem Licht. Die Achtziger sind wieder en vogue: es ist das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen. Bei Harald Rumpf haben die zahlreichen fotografischen Streifzüge in den Achtzigern einen sehr persönlichen autobiografischen Hintergrund. Denn in diesem Jahrzehnt kamen seine beiden Kinder auf die Welt und er war sechs Jahre Halbtagsvater. Was lag da näher als vor der eigenen Haustür zu fotografieren, oft mit dem Kinderwagen unterwegs, in Parks und auf Spielplätzen, bei Kindergeburtstagen und anderen Unternehmungen. Und da große Reisen nicht möglich waren, unternahm ich viele kleine Streifzüge in die Stadt und begegnete dem Leben auf der Straße.

In diesem Sinne sind die Bilder von Harald Rumpf Zeitchronik des urbanen Lebens, der Stadt, der Straßen, der urbanen Räume, die durch Architektur und Licht und ihre Atmosphäre Orte und Bühne von Szenen menschlicher Begegnung bilden. Der Blick des Fotografen konzentriert sich auf die Menschen (allein, als Paar oder in Gruppen) in vielfältigen Schattierungen der Gesellschaft, auf ihre sozialen Beziehungen und ihre Interaktionen, ihre gegenseitige Bezugnahme und Vorstellungen von sich selbst und anderen. Der Mensch wird als soziales Wesen im Zusammenleben mit anderen in bedeutender Weise emotional beeinflusst und in diesem Sinne dienen Emotionen als Richtlinie und Orientierung. Sie trennen, verbinden, zerstören und stecken an – sie integrieren und isolieren. Mit dem Wandel gesellschaftlicher Strukturen verändern sich auch die Gefühlslagen der Menschen. Und so sind die Protagonisten in den fotografischen Szenen nicht nur durch ihre Mode, Kleidung und Frisur, sondern ebenso durch ihre Gesten und Physiognomien, bestimmte Gesichter, aber auch einen unbestimmten Ausdruck zeitlich gut den Achtzigern zuzuordnen. Es sind, so Harald Rumpf, Gesichter und Gesten, eingefrorene Momente alltäglicher Situationen, oftmals in der flüchtigen Begegnung eine Intimität herstellend; Standbilder innerer Zustände und äußerer Gegebenheiten, die kleine Geschichten erzählen. So hat die Fotografie meinen Alltag geprägt. Sie war ein Teil von mir und zugleich ein Projekt.

Und – so ließe sich folgerichtig aus dieser Äußerung von Harald Rumpf schließen – Fotografie war Teil seiner Sozialisation und die analoge Leica- Kamera unabdingbarer Begleiter. Der persönliche, ja autobiografische Aspekt macht den Charme der Fotografien aus, in denen mit feinem Gespür für private-public relations Zeitgeist und Lebensgefühl der Achtziger und Erinnerungen an einen intensiven Lebensabschnitt wachrufen. Nicht von ungefähr wählt Harald Rumpf für sein Protokoll der Achtziger den Titel Billard – Spiel des Lebens.

Denn tatsächlich gelingt es ihm über die flüchtige Zeitgeschichte und die so nie wiederkehrende Situation hinaus den zufälligen einmaligen Moment, das Wesentliche und Charakteristische von Ort und Zeit und Atmosphäre zu erfassen, das zeitlos Allgemeingültige und damit mehr als nur den zufälligen authentischen Augenblick einzufangen.

Mit seinen fotografisch dokumentierten kleinen Reisen durch die Straßen der Stadt und den öffentlichen Raum in Parkanlagen, Cafés, Clubs und Szenetreffs, steht Harald Rumpf in der Tradition der Straßenfotografie, die als Genre der Fotografie herausragende Fotografen und Bildbän-de hervorgebracht hat.

Im Mittelpunkt der fotografischen Protokolle stehen Individuen und Paare in ihren Beziehungen, ihren Annäherungen und Zuneigungen, Sympathien, Verstrickungen und Differenzen. Entsprechend trägt 1978 die Einzelausstellung von Harald Rumpf in der Produzentengalerie München den Titel Beziehungen (Katalogpublikation Gesichter, Gesten, Momente). Bilder menschenleerer Plätze sind eher selten. Licht und Schat- ten spielen nicht nur in den Fotografien der 80er eine entscheidende dramaturgische Rolle. Die konsequente Entscheidung für die Schwarz- Weiß-Fotografie ist folgerichtig. Die Vorliebe für die fotografische Tech- nik der ausschnitthaften Momentaufnahmen, das abrupte Anschneiden von Figuren und Räumen, Überschneidungen und die Bevorzugung von Asymmetrien, diagonalen Linien und geometrischen Gliederungen, fehlende Zentrierung, Vergrößerung der Vordergründe und Verkürzung der Hintergründe zeigt sich früh in ersten Fotografien, die im Alter von 15 Jahren entstanden. Zu den bildkompositorischen Gestaltungsprinzipien des Fotografen zählen auch das Wechselspiel zwischen Innen- und Außenraum durch Spieglungen und Doppelungen, Nähe und Distanz, leerem Raum und bedrängender Fülle, die Dominanz großer gerader Linien, die den Bildraum durchschneiden und das wiederkehrende geometrische Schema eines beinahe kippenden, labile Balance assoziierenden Kreuzes.

So erscheinen durch das sehr nahe Herantreten Objekte und Personen teilweise überschnitten (als Halbfiguren oder mehrdeutig und rätselhaft) in vorderster Bildebene vor weitem menschenleeren Tiefenraum (wie im Beispiel der zwei geschminkten Kinder vor atmosphärischer Parklandschaft). Während die Personen im Vordergrund den Anschein erwecken gleich aus der Fotografie herauszutreten, zieht die Fluchtperspektive den Blick des Betrachters umgekehrt ins Bild hinein – eine rätselhafte Spannung entsteht. Oder in kompositorischer Umkehrung leerer Raum im Vordergrund und gedrängte Fülle im Hintergrund.

Dadurch erschließen sich in den Fotografien von Harald Rumpf über die im Bild unmittelbar sichtbaren Alltagsszenen hinaus auf den zweiten Blick kleine Geschichten subtiler Mehrdeutigkeiten. Und es gelingt ihm in authentischen alltäglichen Situationen das Besondere des Moments und der Atmosphäre zu erfassen und im Bild zum Ausdruck zu bringen. Distanzierte Position und Empathie, bewusste Mehrdeutigkeit ermöglichen auf wunderbare Weise die Freiheit der persönlichen Interpretation: Fotografie ist nicht nur ein Fenster auf die Welt, sondern auch ein Spiegel der eigenen Wahrnehmung. Tatsächlich ist die Dekade der Achtziger für den Fotografen persönlich wichtig und in vielen Aspekten abgeschlossen, aber in einigen anderen Aspekten zeitlos gültig interessant. Die Thematisierung des Menschen, des Individuums und dessen Einbettung in die gesellschaftliche Welt beherrschen die Bildwelt des Fotografen bis heute.

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