Geboren 1955 in der Pfalz, lebt Harald Rumpf seit 1972 in München, wo er eine Ausbildung am Münchner Presselehrinstitut und an der Bayerischen Staatslehranstalt für Phototographie absolvierte. 1976 war er Mitbegründer der Produzentengalerie in München, wo er eigene Ausstellungen realisierte und auch Fotografieprojekte kuratierte und präsentierte. Darunter „52 junge deutsche Fotografen“ , die auch als Katalog in seinem 1981 gegründeten Verlag erschien. Die Anthologie erhielt 1981 einen KODAK-Fotobuchpreis.

Sein Bildband „BILLARD – München in Fotografien der 80er“ erhielt einen Deutschen Fotobuchpreis. Als Fotograf kann man ihn der „Street Photographie zuordnen. Daneben entstanden aber auch thematische Arbeiten über Obdachlose, Menschen mit Behinderungen, Migration, Porträtserien, zu denen auch Kataloge erschienen sind. 1993 war er einer der Mitbegründer von Deutschlands erster Straßenzeitung BISS

Seit 1998 ist er hauptsächlich als Dokumentarfilmer unterwegs. Mit Filmen wie „Münchner Freiheit“, über eine Gruppe
Obdachloser als Langzeitbeobachtung, (Premiere bei der Berlinale 1998), „HipHop – A Tale from The Hood“, SOMMER;
WINTER; SOMMER – ein Landarzt in Niederbayern“ und anderen Werken als Kameramann und in Co-Regie u.a. Filme wurden ausgezeichnet mit dem Münchner Filmförderpreis, Buchdruckerpreis, Nominierungen für den Deutschen Filmpreis
und einen Grimme-Preis.

Als ich Baudelaires Text „ Der perfekte Flaneur“ zum erstmal las, hatte ich das Gefühl, der Text faßt genau das zusammen, was mich damals bewegte auf der Straße zu fotografieren. Es war kein Konzept, es war kein Thema, keine Story, die sich auf sechs oder acht Seiten entfalten konnte. 

Der Flaneur bewegt sich in der Ungewissheit des nächsten Momentes. Viele Menschen ertragen diese Ungewissheit nicht und formen ein Gerüst, eine Struktur in deren Grenzen sie sich bewegen können. Der Vorteil davon ist, man kann alle Elemente benennen, die sich darin bewegen und kann sie in die bekannte Welt einordnen.

Nicht so beim Flaneur. Hier auszugsweise der Text Baudelaires:

Die Menge ist seine Domäne, wie die Luft die des Vogels ist, wie das Wasser das der Fische. Seine Leidenschaft und sein Beruf ist es, die Masse zu heiraten.

Für den perfekten Flaneur, für den leidenschaftlichen Betrachter ist es ein immenses Vergnügen, sich in der Zahl, im Wogenden, in der Bewegung, im Flüchtigen und Unendlichen niederzulassen. Fern von zu Hause sein und sich doch überall zu Hause fühlen; die Welt zu sehen, im Zentrum der Welt zu stehen und vor der Welt verborgen zu bleiben, das sind einige der geringsten Freuden dieser unabhängigen, leidenschaftlichen, unparteiischen Geister, die die Sprache nur ungeschickt definieren kann.

Der Betrachter ist ein Prinz, der überall sein Inkognito genießt. Der Liebhaber des Lebens macht die Welt zu seiner Familie, so wie der Liebhaber des schönen Geschlechts seine Familie aus all den gefundenen, gefundenen und unauffindbaren Schönheiten bildet; als Liebhaber von Gemälden in einer verzauberten Gesellschaft von auf Leinwand gemalten Träumen lebt. So gerät der Liebhaber des universellen Lebens in die Menge wie in ein riesiges Elektrizitätsreservoir.

Wir können ihn auch mit einem Spiegel vergleichen, der so groß ist wie diese Menge; zu einem mit Bewusstsein ausgestatteten Kaleidoskop, das mit jeder seiner Bewegungen das vielfältige Leben und die bewegende Anmut aller Elemente des Lebens repräsentiert. Es ist ein unersättliches Ich des Nicht-Ichs, das es in jedem Moment lebendiger macht und in Bildern ausdrückt als das Leben selbst, immer instabil und flüchtig.

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